Mehr Bewegung in die Schule - Anregungen für eine Bewegte Schulkultur

 

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 Haus der Bewegten Schule - Grundlagen, Bedingungen, Baustein, Zusammenhänge

 

 Bewegungschancen in den Pausen

Die Schulhöfe an unseren Schulen zeigen sich in aller Regel in einem tristen Grau. Sie sind zubetoniert oder -gepflastert, Rasenflächen - wenn vorhanden - dienen oft nur zur Zierde und selten zur Bewegung. Die mancherorts auf dem Boden des Schulhofs aufgemalten Wege und Straßen, mit Verkehrszeichen versehen, sind für den Verkehrsunterricht vorgesehen. Vorhandene Klettergerüste, zumeist aus Eisen, bieten nur wenigen Kindern Gelegenheit zum Klettern und Hangeln. Manchmal findet man auch schon teure Kletterburgen aus Holz, auf denen aber nur für wenige Kinder Platz ist. Auch wenn der Schulhof am Nachmittag von vielen Städten und Gemeinden zum Spielen freigegeben wird, muß man sich oft die Frage stellen, was es denn dort zu spielen gibt.

In der letzten Zeit ist allerdings eine kleine Trendwende zu erkennen. Auf den Schulhöfen von Grundschulen findet man immer mehr aufgemalte Hüpfkästen, an denen die Kinder alte Hüpfspiele neu aufleben lassen. Manche Schulhofwand wird mit Basketballkörben versehen, und immer häufiger beobachtet man in den Pausen die mit dem <richtigen> Hemd und der passenden Kappe ausgestatteten Streetball-Spieler. Auch Tischtennisplatten gehören zur Ausstattung von Pausenhöfen einiger Schulen. Solche Initiativen sind aus der Sicht einer <Bewegten Schule> zu unterstützen. Sie reichen aber nicht aus. Schulhöfe und andere Freiflächen der Schulen müssen die Umsetzung der Spiel- und Bewegungsbedürfnisse der Kinder ermöglichen. Dazu gehört unter anderem, dass

auf den vorhandenen Flächen auch während der Pausen vielfältige Spiel- und Bewegungsformen erlaubt werden (Ballspiele, Rollschuh-Fahren, Roller-Skating);

Geräte installiert werden, an denen die Kinder und Jugendlichen spielen können (Badminton-Netze, Basketballkörbe, Tischtennisplatten, Kletterwände);

(Natur-)Freiräume geschaffen werden, in denen Kinder und Jugendliche ungestört sich bewegen, bauen, spielen können;

Spiel- und Bewegungsmaterialien zur Verfügung gestellt werden, die die Kinder nach Lust und Laune ausleihen können (z. B. aus einer Klassenbewegungskiste, aus Pausenspieltonnen oder -wagen, die mit Materialien für die Pause gefüllt sind: mit Stelzen, Softbällen, Jongliermaterialien, Tennisschlägern ...);

die Sporthallen während der Pausen (insbesondere während der Regenpausen) geöffnet werden und

unterschiedliche Zonen geschaffen werden, in denen die Kinder und Jugendlichen sich entsprechend ihren <Erholungs>bedürfnissen aufhalten können (Spielfläche, Baufläche, Kletterfläche, Sitzecke, Ruhezone).

Dazu gehört aber auch, daß die Lehrkräfte an unseren Schulen die Pause nicht als eine schulische Veranstaltung sehen, in der sich die Kinder von der Anstrengung kognitiven Lernens erholen, um sich für die nächsten Anforderungen wieder fit zu machen. Die Einsicht der Lehrkräfte in die Bedeutung von Bewegung für das Leben von Schülerinnen und Schülern während des Schulalltags ist die Voraussetzung dafür, daß mit Pausen anders umgegangen wird.

Die Pause als Bewegungsveranstaltung zu organisieren, würde allerdings dem Anspruch an eine <Bewegte Schule> nicht nachkommen. Vielmehr sind die eingeräumten Bewegungschancen als Angebote an die Kinder und Jugendlichen zu verstehen, ihr Leben in der Schule zu bereichern. Den Lehrkräften kommt dabei die Aufgabe zu, das Spielen und Bewegen zu betreuen, nicht zu leiten. Anregungen zum Spielen und Bewegen sollte der Schulhof, auch mit den zur Verfügung gestellten Spiel­ und Bewegungsmaterialien, von sich aus geben. Die Lehrkräfte müssen in der Lage sein, das Spielen und Bewegen der Kinder zu deuten. Sie müssen sich nach den Bewegungsinteressen der Kinder erkundigen. Sie müssen die Kinder in ihren Bewegungsabsichten verstehen, um ihnen angemessen helfen zu können, wobei die Hilfe im wesentlichen eine Hilfe zur Selbsthilfe sein soll.

Sind dies zusätzliche Aufgaben für die Lehrkräfte, über die Pause hinaus? Sicherlich! Aber es sind lohnende Aufgaben, weil die Schülerinnen und Schüler sich von ihren Lehrkräften auch in einem außerunterrichtlichen Bereich wahr- und ernstgenommen fühlen, weil die Kinder zusammen mit ihren Lehrkräften neue Gemeinsamkeiten entdecken und so auch das gemeinsame Leben in der Schule bereichert wird.

Bewegungschancen in den Pausen zu ermöglichen muß auch bedeuten, die von den Kindern praktizierten Formen von Spielen und Bewegen in der Pause regelmäßig auch im Unterricht in allen Fächern zum Thema zu machen. Gemeinsam mit der Klasse können die Lehrkräfte im Rahmen des Unterrichts die Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten auf dem Schulhof erkunden und weitere Anregungen entwickeln.

Der Schulhof ist auch ein Ort des sozialen Lernens. Das gemeinsame Spielen und Bewegen bietet dafür vielfältige Möglichkeiten, schafft aber sicher auch Probleme im sozialen Miteinander, die im Rahmen von Unterrichtsgesprächen aufgegriffen werden können. Bewegungsspiele auf dem Schulhof können im normalen Unterricht ausprobiert, Spieldefizite thematisiert, Regelveränderungen abgesprochen und veränderte Spielideen entwickelt werden. Arbeitsgemeinschaften machen das Spielen und Bewegen auf dem Schulhof zu einem eigenständigen Thema. Oder aus den Inhalten einer Arbeitsgemeinschaft entwickeln sich Bewegungsformen für den Schulhof.

Rüdiger Klupsch-Sahlmann: Bewegte Schule, in Sportpädagogik 19 (1995), 14-22

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