Mehr Bewegung in die Schule - Anregungen für eine Bewegte Schulkultur

 

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 Haus der Bewegten Schule - Grundlagen, Bedingungen, Baustein, Zusammenhänge

 

Schulgemeinde

oder ... von Schülerinnen und Schülern, von Lehrkräften, vom Hausmeister, von den Eltern, von der Schulgemeinde, von der Schulaufsicht,  und von anderen ...

Im Zusammenhang mit dem Bild der Bewegten Schule sind die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte, der Hausmeister und seine Frau, die Eltern, die Mitglieder der Schulgemeinde und die Schulaufsicht als Tür in die Bewegte Schule skizziert. Ohne gemeinsame Verständigungsprozesse aller am Schulleben beteiligten Gruppen über das Leben und Lernen in der Schule wird sich eine Bewegte Schule nicht verwirklichen lassen. „Für die Entwicklung zur ‘Bewegten Schule’ muss sich die ganze Schule bewegen. Nur wenn die Schulgemeinschaft insgesamt die Verantwortung mit trägt, kann sich ein eigenes Schulprofil entwickeln; allein die Beteiligung aller - insbesondere der Schülerinnen und Schüler - sichert, dass es ihre Schule wird. Nicht Erlasse oder Hausordnungen machen die Schule zum Lebensraum, sondern all die Leute, die das Schulleben täglich neu hervorbringen. Das Konzept einer ‘Bewegten Schule’ kann nicht unabhängig von der außerschulischen Umwelt gelingen. Notwendig ist, die ‘Bewegte Schule’ als Brücke zur Schulumwelt, zum Stadtteil, zur Gemeinde zu gestalten“ (Balz u.a. 1997, 24 f.).

In diesem Zusammenhang kommt dem pädagogi­schen Ansatz einer Bewegten Schule insbesondere auch unter der alten Forderung der Pädagogik nach ‘Öffnung der Schule’ eine Bedeutung zu. „Je mehr eine entwickelte Schulkultur auf den Stadtteil / die Gemeinde ausstrahlt, um so mehr werden sich die Veranstaltungen der Schule auf das Leben draußen beziehen lassen. Die Schule wird Lernorte finden, die den Schülerinnen und Schülern das Leben zeigen. Je nach Altersstufe der Schülerinnen und Schüler wird hier der Sportverein, werden die Freizeitangebote, die verfügbaren Spiel- und Bewegungsräume Bezugsfelder für schulisches Lernen eröffnen. Die Visionen einer ‘Bewegten’ und einer ‘Offenen Schule’ verwirklichen sich nicht von selbst. Sie werden nur auf den Weg gebracht, wenn sich die ganze Schule bewegt (Balz u.a. 1997, 25).

Auf dem Weg zu einer Bewegten Schule

Die pädagogische Idee einer Bewegten Schule ist keine Utopie. An vielen Schulen werden einzelne Bausteine, aufbauend auf pädagogischen Grund­orientierungen und eingebettet in das Schulpro­gramm und Schulleben, bereits praktiziert. Andere Schulen sind noch nicht so weit: Für sie ist es noch ein langer Weg hin zur Bewegten Schule. Alle, die daran beteiligt sind, wenn sich ein Kollegium auf diesen Weg macht, sind gut beraten, dabei einen Weg der kleinen Schritte zu wählen. Vielleicht können folgende Hinweise all denen etwas helfen, die dem Ziel einer Bewegten Schule etwas näher kommen wollen.

Die Idee der Bewegten Schule umzusetzen, und das betrifft sicherlich nicht allein diese pädagogische Idee, hängt in allererster Linie von der Bereitschaft der Mitglieder eines Kollegiums ab, sich immer wieder neu gemeinsam mit fächerübergreifenden Fragen von Bildung und Erziehung auseinander zusetzen und sich gegenüber neuen pädagogischen Entwicklungen zu öffnen. Nur so kann es gelingen, das pädagogische Profil der eigenen Schule gemeinsam zu prägen.

Bausteine der Bewegten Schule, oder vielleicht Elemente davon, werden sicherlich von einigen Lehrkräften an den Schulen bereits praktiziert. Konferenzen bieten den angemessen Rahmen dafür, dass diese Kolleginnen und Kollegen von ihren Erfahrungen berichten können. Dies ist eine der Voraussetzungen für einen ersten Gedankenaustausch. Diese Kolleginnen und Kollegen sollten in dieser Form der Gestaltung ihres Unterrichts bestärkt werden. Ihnen sollte die erforderliche Hilfe angeboten werden, damit sie dies auch weiterhin tun können.

Eine Expertin / einen Experten zum Thema ‘Bewegte Schule’ in die Konferenz einer Schule einzuladen ist sinnvoll, wenn die Mitglieder des Kollegiums auf die Thematik aufmerksam geworden sind und die Bereitschaft entwickelt haben, sich intensiver mit diesem pädagogischen Ansatz auseinander zusetzen. Dieser Experte / diese Expertin sollte aber nicht nur allein die theoretischen Grundlagen einer Bewegten Schule im Rahmen eines Referates vortragen, sondern dabei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Konferenz selbst die Möglichkeit einräumen, das Wohltuende, das Entlastende, das Entspannende von Bewegung am eigenen Körper zu erfahren. Wie tief kann da die positive Erfahrung gehen, wenn die Lehrkräfte sich über einen Zeitraum von drei oder mehr Stunden mit der Thematik intensiv auseinandersetzen, wenn sie es ‘bewegt’ tun!

Hilfreich kann es im weiteren sein, die Kolleginnen und Kollegen während der Beschäftigung mit der Thematik zu bitten, selbst zu formulieren, ob und wie sie in ihrem Unterricht den Prinzipien einer Bewegten Schule nachkommen oder wie weit sie noch davon entfernt sind. Vielleicht geschieht dies im Rahmen einer Kartenabfrage:

Ich praktiziere schon Bausteine einer Bewegten Schule oder Elemente davon, denn ...

Ich möchte gerne Bausteine einer Bewegten Schule oder Elemente in meinem Unterricht praktizieren, aber ...

Ich bin noch nicht auf dem Weg zu einer Bewegten Schule, denn ...

Das Sortieren und Strukturieren der Ergebnisse der Kartenabfrage kann dazu beitragen, den aktuellen Entwicklungsstand im Kollegium zu eruieren, bereits Praktiziertes offen zu legen, Wünschenswertes zu nennen und Bedenken aufzuzeigen. Nur so kann ein Verständigungsprozess über das weitere gemeinsame Vorgehen initiiert werden.

Ein Schlüsselwort bei der Initiierung einer Bewegten Schule ist der ‘Minimalkonsens’ innerhalb des Kollegiums. Dieser Minimalkonsens sollte in jedem Kollegium erzielt werden. Er sichert zum einen, dass die bislang praktizierten Elemente der Bewegten Schule auch weiterhin praktiziert werden können und schafft somit eine Voraussetzung dafür, dass anhand der praktizierten Beispiele Austauschmöglichkeiten geschaffen werden, was der andauernden Sensibilisierung für die Thematik dienlich sein wird.

Von großer Bedeutung bei der Initiierung einer Bewegten Schule ist das Sicherstellen von Kontinuität. Dies betrifft auf der einen Seite die ständige Auseinandersetzung mit der pädagogischen Idee innerhalb des Kollegiums. Auf der anderen Seite wird nicht die einmalige große Veranstaltung zur Bewegten Schule zum Nachdenken anregen und Nachahmung hervorrufen. Nur das andauernde Thematisieren und Erinnern im Kleinen sichert die geforderte Konti­nuität.

Bei allen Bemühungen um die Verwirklichung der verschiedenen Bausteine der Bewegten Schule oder Elementen davon darf nie übersehen werden, dass nicht die Quantität der Bau­steine auf Dauer das pädagogische Profil der Bewegten Schule prägt. Nicht Aktionismus ist gefragt, sondern die Intensität, mit der Kinder einen Baustein oder Elemente davon in ihrem Schulleben spüren. Qualität des Erlebens geht vor Quantität.

Vom kleinen Matz,  ... gestern, heute und morgen ...

Kennen Sie den ‘kleinen Matz’? Im Themenheft ‘Bewegungserziehung im Schulalltag’ der Grundschulzeitschrift hat Horst Ehni seine Ausführungen zum Thema eingeleitet durch eine Beschreibung des ‘kleinen Matz’ (vgl. Ehni 1990, 2f.). Wenn ich über die Bewegte Schule nachdenke, kommt mir immer wieder die Beschreibung des ‘kleinen Matz’ in den Sinn, und seine ihn im wahren Sinne des Wortes ‘bewegenden Träume’. Die Beschreibung des kleinen Matz von Ehni endet wie folgt:

„Matz, beeil dich - es ist Zeit zu gehen!“ Sein Schulalltag beginnt. Und so macht er sich denn auf den Weg zur Schule, um dort zu sitzen und zu lernen, aber auch um zu träumen: vom Fliegen, vom Toben in der Pause und ein bisschen auch vom Sportunterricht ... Denn die Gedanken sind frei. Und wer könnte ihn erwischen, wenn er interessiert guckend ‘fremdgeht’ - dorthin wo er sich heimisch fühlt: in seine bewegende Welt des Spielens und Tobens (Ehni 1990, 3).

Diesen kleinen Matz gab es damals. Ihn gibt es heute. Und ihn wird es auch in Zukunft noch immer geben. Alle Lehrkräfte haben nicht nur einen davon von ihrer Klasse, sondern ganz, ganz viele. Für diese Kinder, für alle Kinder lohnt sich das Anliegen der Bewegten Schule. Und vielleicht werden dann die Vereinbarungen der Kinder einer Klasse der 4. Jahrgangsstufe zu ihrem Verhalten im Klassenraum nicht mehr folgende 5. Regel enthalten, die ich vor ca. einem Monat noch in einem Klassenraum entdeckt habe: ‚Beim richtigen Unterricht laufen wir nicht herum, sondern sitzen aufmerksam auf unserem Platz!‘

Rüdiger Klupsch-Sahlmann: Mehr Bewegung in die Schule - grundlegende Gedanken zur pädagogischen Konzeption, in: ders: (Hg.) Mehr Bewegung in der Grundschule, Cornelsen Verlag Scriptor: Berlin 1999, 7 - 24

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