Mehr Bewegung in die Schule - Anregungen für eine Bewegte Schulkultur

 

Aktuelles Grundlagen Literatur Bewegte Texte Bewegungspausen Bewegte Schulen Links Materialien eMail zum Autor

Mehr Bewegung in die Schule - aus gesundheitserzieherischer Sicht betrachtet (Rüdiger Klupsch-Sahlmann)

Gesundheitserzieherische Ansätze in der Schule sind in der letzten Zeit insbesondere im Bereich der Sportpädagogik diskutiert und weiterentwickelt worden. An die Stelle eines allein auf die Gesundheitsförderung ausgerichteten Handelns im Sportunterricht traten insbesondere Perspektiven, welche die erzieherische Dimension in den Vordergrund stellten (vgl. in diesem Zusammenhang Brodtmann 1984, Kultusministerium NRW/AOK NRW 1989/1990/ 1993, Brodtmann 1991, Küpper/Kottmann 1991, Brodtmann 1994). Dabei wird ein Verständnis von Gesundheit zugrundegelegt, das über den rein physiologischen Aspekt hinausgeht: „Ausgangs­und Zielpunkt von Gesundheitserziehung muß ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit sein, das physische, psychische, soziale und ökologische Aspekte von Gesundheit integriert“ (Brodtmann 1991, 17). Dabei kommt der Schule die Aufgabe zu, die Kinder und Jugendlichen zu befähigen, selbst Verantwortung für die eigene und für die Gesundheit anderer übernehmen zu können. insofern ist Gesundheitserziehung auch eine Aufgabe auf allen Schulstufen. Wird in der Primarstufe noch eher das Erfahren und Wahrnehmen der psycho-physischen, sozialen und ökologischen Befindlichkeit durch verschiedene Bewegungsaktivitäten im Vordergrund stehen, so zeigt sich in der Sekundarstufe I und II der Schwerpunkt gesundheitserzieherischer Maßnahmen auch im konkreten Begreifen von gesundheitsbedeutsamen Sachverhalten (vgl. auch Kultusministerium NRW/ AOK NRW 1989, 1990,1993).

Worin besteht nun der Zusammenhang zwischen der Forderung, mehr Bewegung in die Schule zu bringen, und gesundheitserzieherischen Ansätzen? Eine <Bewegte Schule> schafft Voraussetzungen dafür, dass Kinder und Jugendliche sich in der Schule wohlfühlen, durch eigene, das psycho-physische Wohlbefinden fördernde Bewegungsaktivitäten, durch Bewegungsaktivitäten, die mit anderen zusammen zu einem sozialen Wohlbefinden führen können, sowie durch Bewegungsaktivitäten, die das Spielen und Bewegen im Freien zu einem Erlebnis werden lassen. Die weiter oben beschriebenen Möglichkeiten ganzheitlicher Entwicklung, ganzheitlich orientierten Lernens und eines die Ganzheit der Kinder und Jugendlichen berücksichtigendes Lebens in der Schule bieten hierfür eine Voraussetzung.

Gesundheitserzieherische Aufgaben im Schulsport (vgl. Brodtmann 1991, 20) sind weitgehend identisch (1) mit den Aufgaben einer <Bewegten Schule>. Lehrkräfte, die <mehr Bewegung in die Schule> bringen wollen, tun dies vor dem Hintergrund, das Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen nach Bewegungsaktivitäten in allen Bereichen des schulischen Lernens zu wecken, zu erhalten und zu verstärken. Im Zusammenhang mit den Elementen einer <Bewegten Schule> werden die Schülerinnen und Schüler für vielfältige Wahrnehmungen sensibilisiert, ihre Wahrnehmungsfähigkeit wird weiter gefördert. Dies gilt insbesondere für das Spüren des eigenen Körpers, die Reaktionen des Körpers auf Konzentrations- und Sitzphasen sowie die Auswirkungen des Sich-miteinander-Bewegens auf die sozialen Strukturen der Klassengemeinschaft und der Schulgemeinde. Gerade in den weiterführenden Schulen können den Schülerinnen und Schülern gesundheitliche Zusammenhänge eines bewegten Lebens und Lernens in der Schule bewußt werden, wenn sie mehr und mehr in der Lage sind, Auswirkungen eigener Bewegungsaktivitäten auf eine positive Befindlichkeit zu erkennen, und dieses Wissen dann gezielt anwenden können. Jugendliche können in einer <Bewegten Schule> insbesondere dazu angeleitet werden, die eigene körperliche, psychische und soziale Befindlichkeit richtig einzuschätzen, Gesundheit in Abhängigkeit von Umwelt und gesellschaftlichen Bedingungen zu begreifen und gegebenenfalls auch Veränderungen herbeizuführen.

Dies führt letztlich dazu, dass eine <Bewegte Schule> <gesunde> Lebensgewohnheiten auszuprägen hilft, was sich insbesondere im Bewegungsverhalten, im sozialen Verhalten und im erfolgreichen Umgang mit psychischen Belastungen zeigt.

Unter gesundheitserzieherischer Perspektive wird deutlich, dass die Forderung nach einer <Bewegten Schule> für alle Schulstufen gilt. Entsprechen vielfältige Bewegungsmöglichkeiten am Schulvormittag noch weitgehend den aktuellen Befindlichkeiten, Lebensgewohnheiten und Lernformen von Kindern in Grund- und Sonderschulen, so erfahren die Schülerinnen und Schüler in den weiterführenden Schulen darüber hinaus die Bedeutung von Bewegung für ihre Gesundheit und lernen, die Chancen zu begreifen und zu ergreifen, die ein <bewegtes> Leben und Lernen für ihr Wohlbefinden im Schulalltag und darüber hinaus bieten.

(1) Heute, ca. 5 Jahre nach dieser für mich noch immer wichtigen Veröffentlichung glaube ich, dass die Aussage, gesundheitserzieherische Aufgaben im Schulsport (vgl. Brodtmann 1991, 20) sind weitgehend identisch mit den Aufgaben einer <Bewegten Schule>, so nicht mehr richtig ist. Vielmehr würde ich sagen, dass das pädagogische Grundverständnis einer <Gesundheitserziehung in der Schule>, wie es von Brodtmann dargelegt wurde, und das der <Bewegten Schule> gleich ist. In der Differenzierung ihres Ansatzes jedoch verfolgen natürlich beide Ansätze ein differenziertes Zielspektrum. ( Rüdiger Klupsch-Sahlmann, 9. Januar 2000 )

Quelle: Rüdiger Klupsch-Sahlmann: in: Bewegte Schule, in: Sportpädagogik 19 (1995) 2, 14

 

Zurück Home Nach oben Weiter

Diese Herstellung dieser Webseite wurde durch die Unterstützung folgender Verlage erst möglich:

 

 

 

 

Medien und Materialien für Ihren Unterricht - nur einen Mausklick entfernt. Oder:

Tel.: 0511 4004188 - eMail: leserservice@friedrich-verlag.de  /  Friedrich-Verlag - Im Brande 17 - 30926 Seelze