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Risikofaktor Bewegungsmangel - aus pädagogischer Sicht betrachtet (Dieter Brodtmann)

Um möglichen Unterstellungen vorzubeugen: Ich bezweifle überhaupt nicht, dass die körperliche Funktionstüchtigkeit auf Entwicklungsreize durch Bewegung angewiesen ist. Ich bezweifle nicht, dass Kraft und Ausdauer bei vielen Kindern nicht so entwickelt sind, wie man es sich wünschen mag. Ich bezweifle auch nicht, dass die Körperhaltung schon zahlreicher Schulanfänger nicht dem Ideal entspricht, wie es in den Lehrbüchern der Orthopädie dargestellt ist.

Aber ich wehre mich dagegen, dass Defizite der körperlichen Funktionstüchtigkeit von Kindern und Jugendlichen zum Anlaß genommen werden, um den Sportlehrkräften vorrangig eine biomedizinisch-präventive oder gar therapeutische Perspektive aufzuzwingen und sie zu drängen, die Heranwachsenden stellvertretend für Mediziner, Krankengymnastinnen und andere Angehörige des Gesundheitssektors zu "behandeln".

Aus pädagogischer Sicht muß es vorrangig darum gehen, Kinder zum möglichst vielfältigen Handeln aus eigenem An­trieb zu veranlassen, sie mit den dafür hilfreichen Kompetenzen aus­zurüsten und möglichst gute Rahmenbedingungen für ihr Handeln zu schaffen und. Wenn das gelingt, wird ganz nebenbei auch die kör­perliche Funktionstüchtigkeit hinreichend gefördert. Vor allem aber wird auch jene dauerhafte Bereitschaft zum Sich-Bewegen ange­bahnt werden, die durch rein zweckrationales Körpertraining eher erstickt wird.

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Ein Leitgedanke sollte alles Handeln mitbestimmen: Es geht nicht einfach darum, junge Körper irgendwie zweckmäßig in Bewegung zu bringen, sondern darum, junge Menschen zu aktivieren, und dies in einer solchen Weise, dass sie sich aus eigenem Antrieb bewegen und nicht nur, weil sie durch Drohen mit den schlimmen Folgen der Bewegungsträgheit oder durch Überredung oder mittels methodi­scher Raffinesse dazu manipuliert worden sind.

Solange Bewe­gungsaktivitäten nicht aus eigenem Antrieb erfolgen, werden alle gutgemeinten Programme gegen Bewegungsmangel nur ein Stroh­feuer bleiben. Aus eigenem Antrieb aber bewegt sich nur, wer in die­sem Bewegen einen Sinn für sich sieht, wer sich dieses Bewegen zutraut und wer sicher ist, dies in einem sozialen Umfeld tun zu können, in dem er gern gesehen ist.

Wer als Lehrkraft begriffen hat, wie wichtig unter gesundheitlicher Perspektive die Entwicklung der personalen Ressourcen ist, der wird den Heranwachsenden möglichst viele Chancen zum selbständigen, zum entdeckenden und problemlösenden Lernen, zum Handeln auf Probe und zum Lernen aus Irrtümern eröffnen, wenn irgend möglich auch in Gestalt der Auseinandersetzung mit Herausforderungen, die nur gemeinsam mit anderen bewältigt werden können.

Quelle: Dieter Brodtmann: Risikofaktor Bewegungsmangel? Oder: Was ist wirklich wichtig für die Gesundheit unserer Kinder?, in: Die Grundschulzeitschrift 109 (1997) 51, 53

 

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